ILIAS-Blog

Neuigkeiten und Hintergründe zu ILIAS - dem Open Source LMS

Hach, Hamburg... Ein Rückblick auf die ILIAS-Konferenz 2026

Seibt, Alina [alina.seibt] - Today, 09:31

Die letzte Woche war eine ereignisreiche Woche. So viele ILIAS-Freunde, Interessierte, Anwender:innen und Entwickelnde kamen zusammen. Hamburg rief zur 25. Internationalen ILIAS-Konferenz und natürlich kamen wir alle. Freudig und gespannt trafen wir uns an der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg.

Am 9. und 10. September lockten spannende Vorträge, innovative Workshops und diverse interessante Lightning Talks. Was für ein harmonischer Austausch das doch war.
Tags zuvor fand die 46. Entwicklungskonferenz statt - für alle, die in welcher Form auch immer zu ILIAS beitragen, ging die Reise also noch einen wunderbaren Tag länger. 

In diesem ersten Bericht möchten ich zurückblicken auf zwei aufregend schöne Tage. Da ich nicht in allen Räumen gleichzeitig sein konnte, gehe ich in diesem persönlichen Bericht nur auf die Programmpunkte ein, an denen ich teilgenommen habe. In einem zweiten Bericht werde ich dann auf die technischeren Themen der Entwicklungskonferenz eingehen. Stay tuned…

Die diesjährige ILIAS-Konferenz stand unter dem Motto „Souverän durch die Zeit“. Nach 25 Jahren kehrten wir an den Ort zurück, an dem einst die allererste ILIAS-Konferenz stattfand: an die Helmut-Schmidt-Universität / Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Es war uns eine Ehre, Prof. Dr. em. Wilfried Hesser bei der Reise in die Vergangenheit zu lauschen. Er erzählte von den Anfängen von ILIAS an der HSU – von den Gesichtern, die dazu beitrugen, dass nicht nur die Universität, sondern auch die Software in ihrer Gesamtheit heute da steht, wo sie steht. Spannend, interessant und auch emotional, denkt man an so geschätzte Community-Mitglieder wie Karola Koch, Harry Boldt oder Erik Reidt, die uns während dieser Reise leider verlassen haben.

Natürlich gibt es keine ILIAS-Konferenz ohne den Geschäftsführer und Produktmanager Matthias Kunkel. Zur Eröffnung am Vormittag blickt er mit allen Teilnehmenden auf den aktuellen Stand der Software. Mehr oder weniger jedenfalls. Dieses Mal berichtete er von der Reise des Odysseus und knüpfte so elegant die Brücke zwischen ILIAS, der Software, und dem namensgebenden homerischen Epos. Zum Glück ist die Reise der Software keine ganz so schlimme Odyssee wie bei den Griechen. Und doch sahen auch wir uns im Laufe der Zeit immer mal gewissen Ungeheuern gegenüber, die es zu bezwingen galt.

Ein Ungeheuer, das uns stetig begleitet, ist die „Basispflege“. ILIAS lebt von neuen Features und Funktionen, die Anwender:innen entwickeln lassen. Doch wer kümmert sich eigentlich um all den vorhandenen Code und passt ihn an aktuelle Standards an? Wer wartet ihn?
Diese Aufgabe obliegt selbstverständlich den vielen Entwicklern und Entwicklerinnen und kostet mitunter viel Zeit. Und wie wir alle wissen, ist Zeit Geld. Auch in der ILIAS-Entwicklung.

Und daher kann nicht oft genug gesagt werden:

ILIAS lebt auch von seinen Vereinsmitgliedschaften. Und von engagierten Unternehmen und Institutionen, die Geld in die Wartung stecken.
ILIAS ist kostenlos. Im Vergleich zu proprietärer Software, die Wartung und Pflege über Lizenzkosten abdecken kann, braucht es bei Open Source-Software zusätzliche Mittel. Spenden oder gezielte Investitionen in diesen Bereichen sichern die Qualität und damit die Zukunft von ILIAS und sind daher unabdingbar.

Und ja, das war ein Wink mit dem Zaunpfahl. ;)

Eines der Konferenz-Highlights für mich persönlich war die Keynote von Prof. Roberto Simanowski. Er verknüpfte in seinem Vortrag die Themen Künstliche Intelligenz und Ethik und schaffte damit ein Bewusstsein, das ich zuvor in der Ausgeprägtheit nicht hatte. Besonders im Gedächtnis geblieben ist mir folgendes: Wenn wir alle nur noch Texte und Bücher zusammenfassen lassen, erhalten wir EINE Perspektive auf diese Texte – die der jewieligen KI. Aber jeder Mensch liest ein Buch anders. Jeder nimmt andere Informationen für wichtiger, merkt sich andere Aspekte und interpretiert anders. Niemand liest ein Buch auf die Art und Weise, wie ein anderer es tut. Und da ist der Aspekt noch gar nicht berücksichtigt, dass die KI von westlichen Werten bestimmt ist. Was passiert mit all den Kulturen, die nicht an der Entwicklung der KI teilhaben?
Und was geschieht mit all den möglichen Interpretationenund daraus resultierenden Gedankenverknüpfungen, wenn ein Großteil der Menschheit sich nur noch auf diese EINE (westlich orientierte) Zusammenfassung beruft? Wir schränken unsere Neugier, unser Wissen, unser Potential, unsere Kultur massiv ein.

Roberto Simanowski plädierte mit seinem Vortrag ein Stückweit für das selbst lesen. Dafür, sich eine eigene Meinung zu bilden. Und sich nicht alles vorkauen zu lassen. Und natürlich sagte er noch so viel mehr.
Wenn ich nur einen Vortrag der Konferenz empfehlen dürfte, dann diesen. Er hat mich sehr bewegt. Ich habe auch im Nachhinein noch viel über das Thema nachgedacht und bin dankbar für diese für mich neue Sichtweise.

Übrigens, für all diejenigen, die nicht dabei sein konnten, hier ein brandheißer Tipp:
Alle Vorträge des Hauptraumes wurden aufgezeichnet und stehen in ein paar Wochen auf unserem YouTube-Kanal zur Verfügung.
Die Präsentationsfolien laden wir direkt im Programm auf der Konferenzwebsite hoch, sofern sie uns vorliegen.

Die Konferenz bot darüberhinaus natürlich noch so viel mehr. Ich selber war bei spannenden Vorträgen zu den Themen KI sowie Design und habe viele neue Impulse bekommen, wie Kurse in ILIAS gestaltet werden können. Ein Thema, das mich persönlich auch im Arbeitsalltag viel beschäftigt.

Besonders spannend fand ich den von Richard Powers vorgestellten Ansatz des Universal Design for Learning (UDL). Kurz gefasst geht es darum, von Anfang an zu beachten, dass alle Anwender:innen – egal ob in irgendeiner Form beeinträchtigt oder nicht – die Materialien nutzen können. Sehr veranschaulichend fand ich hierzu diese Folie aus seiner Präsentation. Sie zeigt deutlich, was UDL ist und was es NICHT ist:

Am besten streben wir alle an, Kurse und Materialien so zu gestalten, dass von Anfang an ALLE mit einbezogen werden. Eben so, wie die Ingenieure der Treppe auf dem rechten Foto. Und mal im Ernst: Sieht die nicht total cool aus?

In diesem Jahr wurde ich auf der Konferenz auch selbt aktiv und gestaltete für das Programm einen eigenen Workshop zusammen mit Tomke Fries und Marcel Domanski. In unserem „Onboarding für neue Community-Mitglieder“ haben wir erläutert, wie der Verein aufgebaut ist, wie die Entwicklung abläuft und wie man sich – möglichst niedrigschwellig – daran beteiligen kann.

Wir waren wirklich überwältigt von der Menge der Teilnehmenden. Der Raum war voll! Damit hatten wir gar nicht gerechnet. Wirklich nicht! (Wir hatten sogar in der Planung nur mit 5 Gästen gerechnet… oh Wunder, was lagen wir falsch!)
Wir konnten wertvolles Feedback für unsere Onboarding-Produkte sammeln und haben zum Ende hin diverse Ideen und Impulse erhalten, die uns mit einem regelrechten Endorphinschub nach Hause geschickt haben. Vielen Dank dafür! Die Onboarding-Seite kann sich jeder schon anschauen und wenn gewünscht auch einfach an der eigenen Institution nutzen. Sie wird in den nächsten Monaten fleißig ausgebaut. Ich werde dazu gerne erneut berichten.

Übrigens: einen Onboarding-Slot wird es künftig auf jeder ILIAS-Konferenz geben. Schickt also neue Kolleg:innen gerne zu uns. ;)

Wer jetzt denkt, eine ILIAS-Konferenz sei nur trocken und passiv und es gehe eigentlich nur darum, sich Vorträge anzuschauen, der liegt falsch (was mein Bericht hoffentlich schon gezeigt hat). Wir können auch richtig einen drauf machen!

Am ersten Konferenztag fand am Abend das Social Event statt. Und MAN – war das ein leckeres Buffet. Vor allem die Candybar hat es mir ja angetan… Es waren die Details, die den Abend richtig perfekt machten. Allein die Namen der Cocktails waren super… ich meine, wer trinkt nicht gerne einen alkoholfreien SrMembership oder einen (dezent starken) SrLifeCycleManager? Ich jedenfalls fand beide sehr lecker!

Zu fortgeschrittener Stunde gab es dann noch eine kleine Überraschung. Es wurden zwei ILIAS-Automobile versteigert. Na gut – die waren ehrlich gesagt etwas klein, die Autos, schließlich handelte es sich um zwei individuell gestaltete BobbyCars. In ILIAS-Blau mit ILIAS-Aufdruck. Wie auch sonst?

Die beiden Höchstbietenden haben sich sehr über ihre „ILIAS Mobiles“ gefreut. „ILIAS 1“ geht nach Riga und „ILIAS 2“ nach Graz. Gute Reise euch beiden…

(Redaktionelle Anmerkung: die Versteigerung war im Grunde ein Gag und sehr spontan; die „Gewinne“ gehen in Form einer Spende an den Verein und fließen damit letztlich in die Entwicklung. Super Idee, Bettina!)

Die Konferenz endete am Donnerstagnachmittag mit der Bekanntgabe des Gewinners des diesjährigen Community-Awards. Michael Jansen erhielt den hübschen Würfel für sein stetes Engagement nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der Community und weit darüber hinaus. Vielen Dank und herzlichen Glückwunsch!

Aber Moment mal… müsste hier nicht auch der „wir sehen uns dann nächstes Jahr an Ort X“-Part kommen?
Nun – leider nein. Denn tatsächlich gibt es aktuell KEINEN Gastgeber für die 26. ILIAS-Konferenz.

Hier also der Aufruf sich Gedanken zu machen: Würdet ihr Gastgeber sein wollen und können? Wendet euch unbedingt an Matthias Kunkel, wenn ihr ernsthaftes Interesse daran habt – und lasst euch nicht zu viel Zeit, denn die Planung einer Konferenz braucht natürlich auch entsprechende Vorlaufzeit. Die früheren Gastgeber helfen euch gerne, indem sie euch ihre Erfahrungen weitergeben.

Und jetzt? Was bleibt am Ende einer solch harmonischen und intensiven, spannenden Konferenz? Vor allem viel Motivation, um die nächsten Themen anzupacken. Und Ideen. Und Impulse. Und haufenweise Glücksgefühle.
Zumindest kann ich das so von mir behaupten. Und ich denke, das ging in diesem Jahr vielen so.

Vielen Dank, dass ihr alle dabei wart und diese Tage in Hamburg zu einer so schönen Zeit gemacht habt.


Comments

  • ka

    [kaiwuensche1@gmail.com]

    Schöne Zusammenfassung der Konferenz - und viel besser, als eine KI das könnte!

    Created on17. Sep 2026