ILIAS-Blog
Community Stories: Volt Europa goes ILIAS

Ilario Truppa kennen viele bereits von der OC Group in Italien, einem unserer ILIAS-Service Provider. Neben seiner führenden Tätigkeit engagiert Ilario sich aber auch aktiv bei Volt Europa. Als ehrenamtlicher Leiter für digitales Lernen setzte er sich dafür ein, dass ILIAS als LMS bei Volt eingeführt wurde. Die „Volt Academy“ soll Schulungen für zahlreiche internationale europäische Mitglieder anbieten. Abgedeckt werden dabei Themen aus den Bereichen Politik, Sozialwissenschaften, aber auch parteispezifische Themen. Wir freuen uns, dass Ilario zu einem Interview bereit war und uns mehr über die Zukunftspläne von Volt erzählt hat.
Alina: Ilario, als wir uns auf der LEARNTEC in Karlsruhe getroffen haben, hast du uns von dem großen Erfolg berichtet, den du mit der Einführung von ILIAS als Lernmanagementsystem bei Volt Europa erzielt hast. Ich fand das sehr spannend und freue mich, dass wir dieses Interview führen.
Vielleicht erzählst du uns zu Beginn erst einmal etwas über die Volt Academy?
Ilario: Volt Academy ist die zentrale Schulungsplattform von Volt Europa. Die Plattform ist seit Anfang dieses Jahres (2026) online und offiziell für Mitglieder zugänglich. Ihr vorrangiges Ziel ist es, das gesamte organisatorische, politische und managementbezogene Wissen der Partei an einem einzigen, sicheren Ort zu bündeln. Es soll so den verschiedenen nationalen Gruppen eine zentrale Quelle für verifizierte Informationen bieten.
Zu den Hauptthemen der Kurse gehören europäische Institutionen (Europäische Kommission, Parlament, ...), deren Zusammensetzung und Funktionsweise sowie praktische Fähigkeiten, die für Aktivismus und die Leitung lokaler Teams erforderlich sind.
Jede nationale Gruppe verfügt über eine eigene lokale Akademie. Die Gruppen sind länderspezifische Zweige der paneuropäischen Bewegung, die in ihren jeweiligen Ländern als unabhängige politische Parteien rechtlich registriert sind (z. B. Volt Italia, Volt Deutschland).
Einige der lokalen Akademien innerhalb der ILIAS-Installation sind bereits gut strukturiert, andere stehen noch am Anfang – und alle nutzen dieselbe Infrastruktur für ihre Schulungskurse.
Ebenso wie unser Partner „VoltThere“. Sie alle nutzen dieselbe ILIAS-Installation. Das war eine wichtige Entscheidung, denn so wird den Gruppen und Autoren ermöglicht, Ressourcen zu optimieren und Materialien gemeinsam zu nutzen.
(VoltThere ist eine europäische politische Stiftung, die der Partei Volt Europa angegliedert ist. Für sie haben wir zudem Design und UI/UX entwickelt, um die tägliche Nutzung der Plattform zu erleichtern.)
Eine einzige „Quelle der Information“ klingt sehr spannend. Wie stellt ihr sicher, dass möglichst viele Autoren eigene Lerninhalte erstellen? Und wie stellt ihr die Qualität dieser Inhalte sicher?
Dafür wenden wir spezifische Arbeitsprozesse an: Teamleiter und lokale Akademien fungieren als Inhaltsprüfer und sorgen dafür, dass die Inhalte dem Tonfall und den Werten von Volt entsprechen. Außerdem haben wir begonnen, Grafikvorlagen und spezifische Schulungskurse zur Nutzung von ILIAS und H5P zu entwickeln, damit die Autor:innen noch effektiver interaktive Module erstellen können.

Die Qualität der Materialien wird durch ein internes Gutachtenprotokoll sichergestellt. Es wird von den verschiedenen Koordinierungsgruppen verwaltet. Konkret bedeutet das: eine Idee wird analysiert, digital umgesetzt, unter pädagogischen und technischen Gesichtspunkten überprüft und schließlich in der gemeinsamen Wissensdatenbank veröffentlicht. Die Überprüfung gewährleistet die wissenschaftliche Qualität. Außerdem sollen durch das Vorgehen Diskrepanzen zwischen den Ländern vermieden werden.
Was würdest du behaupten, inwiefern deine berufliche Erfahrung die Volt Academy geprägt hat?
Die Leitung einer Organisation, die Tausende von Menschen in ganz Europa betreut, darf nicht dem Zufall überlassen werden. Da sollte man nicht improvisieren. Selbst – oder besonders dann nicht, wenn die Koordination durch Freiwillige erfolgt. In meiner täglichen Arbeit bei der OC Group entwerfen wir maßgeschneiderte Strukturen nach strengen Protokollen, ganz im Sinne unserer ISO 9001-Zertifizierung.
Genau diese Denkweise habe ich auch auf Volt angewandt: Wir haben die anfängliche Zersplitterung (mehrere nationale Gruppen) durch eine klare und definierte Struktur ersetzt, wodurch die Informationsressourcen von Volt geschützt und klare organisatorische Grenzen für unsere Mitarbeiter festgelegt wurden.
Warum unsere Community ILIAS nutzt, wissen wir. Aber warum hat sich Volt Europa letztlich für ILIAS entschieden? Und war es ein schwieriger, langwieriger Entscheidungsprozess?
Ich habe ILIAS während einer Projektpräsentation im September 2025 in Amsterdam vorgeschlagen. Die Entscheidung fiel schnell, da Volt eine paneuropäische Bewegung ist, die Open Source und die digitale Souveränität Europas in den Mittelpunkt ihrer Entscheidungen stellt. Wir wollten nicht von großen externen Technologieunternehmen oder geschlossenen proprietären Systemen mit Lizenzgebühren pro Nutzer abhängig sein. Es dauerte nur ein paar Monate, bis das Budget für das Hosting gesichert war.
ILIAS bietet die vollständige Kontrolle über Daten und Berechtigungen – ein Punkt, den ich auch während meines Vortrags auf der LEARNTEC 2026 in Karlsruhe und in meiner Rede zusammen mit Sabrina Riso (Instructional Designer und Volter) auf der Volt-Generalversammlung in Bratislava vor einigen Wochen erläutert habe: der vollständige Beitrag kann hier angeguckt werden. Wir betrachten den Datenschutz als eine Säule der gesellschaftlichen und europäischen Entwicklung, und ILIAS entspricht diesen Werten in vollem Umfang.
Wie verlief die Einführung von ILIAS? Wie viele Nutzer profitieren bislang von der Plattform?
Wie bereits erwähnt, ist die Plattform seit Anfang des Jahres online und für Mitglieder zugänglich. Derzeit haben wir rund 140 aktive Nutzer, rechnen jedoch damit, einige Tausend Menschen (unsere „Volters“) zu erreichen, sobald die neuen Schulungskurse fertig sind.
Das System ist direkt auf den Servern des Volt-Tech-Teams installiert – eine Entscheidung, die darauf abzielt, die digitale Souveränität und die vollständige Kontrolle über sensible Daten zu gewährleisten. Unsere Planung sieht den Einsatz interaktiver H5P-Module vor. Auch BigBlueButton soll für vernetzte Unterrichtsräume genutzt werden. Die größte Hürde bei der Inbetriebnahme betraf die Kommunikation mit dem zentralen Identitätsmanagementsystem, was ein komplexes Authentifizierungsproblem darstellte.
Wie genau sah diese Hürde aus?
Ich beziehe mich auf ein technisches Hindernis, das wir gemeinsam mit dem Volt Europa Tech-Team und dem Cyber Security-Team angehen. Das Problem betrifft die Integration zwischen unserer Plattform und Volt Auth, dem zentralen Identitätsanbieter, der es Mitgliedern ermöglicht, ein Single-Sign-On für alle Dienste von Volt zu nutzen.
Das Sicherheitsteam von Volt verlangt moderne kryptografische Standards, insbesondere die Verwendung von ECDSA-Algorithmen (wie ES256, ES384 oder ES512). Derzeit stützt sich ILIAS zur Verwaltung von OpenID Connect auf eine externe PHP-Bibliothek (jumbojett/OpenID-Connect-PHP), die diese Art der fortschrittlichen Verschlüsselung nicht unterstützt. Aus diesem Grund können wir Volt Auth derzeit nicht mit der ILIAS-Installation verbinden.
Das hat direkte Auswirkungen auf die Zugriffsverwaltung und die Skalierbarkeit des Projekts. Eine automatische Registrierung neuer Mitglieder ist nicht möglich, sodass wir gezwungen sind, Konten über manuelle Einladungen hinzuzufügen. Darüber hinaus darf das Tech-Team aus Gründen des Datenschutzes und der DSGVO keine Listen mit personenbezogenen Daten weitergeben. Daher müssen wir die Daten der Personen über alternative, sichere Kanäle abrufen.
Es gibt schon eine technische Lösung: In der ILIAS-Community liegt ein offizieller Änderungsvorschlag (Pull-Request Nr. 10576) vor, die aktuelle OAuth-Bibliothek durch eine aktualisierte, mit dem ECDSA-Standard kompatible Version zu ersetzen. Für die vollständige Integration ist jedoch ein Funding erforderlich.
Dieser Fall zeigt, dass digitale Souveränität und Sicherheit konkretes Engagement für eine gemeinsame Entwicklung erfordern.
Ich werde auf der nächsten ILIAS-Konferenz am 9. und 10. September 2026 in Hamburg einen Vortrag zu diesem Thema mit dem Titel „Digitale Souveränität in der Praxis“ halten. Entscheidungsträger, Administratoren und technische Koordinatoren sind hiermit herzlich eingeladen, zu meinem Vortrag zu kommen und mit mir gemeinsam das Thema in Hamburg zu diskutieren. Wenn wir Ressourcen bündeln, können wir diese Entwicklung finanzieren und ein Hindernis beseitigen, von dem viele Organisationen in Europa betroffen sind.
Wir freuen uns auf deinen Vortrag in Hamburg! Du hast zurecht darauf hingewiesen, wie wichtig auch das Thema Sicherheit ist. Was bedeuten Datenschutz und Digitale Souveränität für euch als ILIAS-Service Provider?
Für uns bei der OC Group gilt das Motto „Wissen ist Macht“. Digitale Souveränität ist keine bloße Absichtserklärungen, sondern stellt konkrete Verpflichtungen, die wir in die Praxis umsetzen. Wenn wir Sicherheitspraktiken für die Integration komplexer Systeme analysieren, betrachten wir den Datenschutz nicht als bloße Maßnahme zur Einhaltung der DSGVO, sondern als ein Protokoll zur Systemintegrität, das ständig weiterentwickelt werden muss.
Open Source lebt von diesem Gleichgewicht: Volt nutzt eine autonome Infrastruktur auf eigenen Servern, profitiert aber gleichzeitig von der Erfahrung derer, die sichere Systeme für die öffentliche Verwaltung und die Industrie entwickeln.
Die direkte und transparente Verwaltung von Sicherheitsgrenzen ermöglicht es uns, die Community bei der Entwicklung notwendiger Änderungen zu unterstützen (wie beispielsweise dem Pull-Request zur Überwindung der ECDSA-Protokollbeschränkung). Außerdem können wir so technisches Wissen in einen Wettbewerbs- und Sicherheitsvorteil für alle Organisationen umwandeln, die sich in Europa für technologische Autonomie entscheiden.
Ein anderes Thema: Ich habe gehört, dass das IT-Team von Volt Europa kürzlich einen bedeutenden technischen Beitrag zur Open-Source-Community geleistet hat. Was hat es damit auf sich?
Ja, und darauf sind wir unglaublich stolz. Einer der Entwickler unseres Tech-Teams, Joost, hat ein nicht mehr gepflegtes („totes“) öffentliches Helm-Chart für ILIAS übernommen, es aktualisiert und optimiert. Dabei handelt es sich im Wesentlichen um eine automatisierte Vorlage, die es Organisationen ermöglicht, ILIAS mithilfe moderner „Container“-Technologie (Kubernetes) bereitzustellen.
Wir haben diese aktualisierte Konfiguration nun als Open Source zur Verfügung gestellt. Das bedeutet, dass jede andere europäische Organisation, NGO oder Einrichtung des öffentlichen Sektors ILIAS nun auf hochsichere, moderne und skalierbare Weise bereitstellen kann. Für uns bedeutet Open Source nicht nur die Nutzung freier Software, sondern auch aktive Zusammenarbeit, Wissensaustausch und den Aufbau einer gemeinsamen europäischen digitalen Souveränität.
Das klingt sehr interessant! Wie sehen also die Pläne für die Zukunft der Volt Academy aus?
Wir möchten die Nutzung der Plattform auf die gesamte Freiwilligenbasis in Europa ausweiten, die derzeitige Zersplitterung überwinden und Tausende von Mitgliedern erreichen. Wir werden die Module zur Funktionsweise der europäischen Institutionen fertigstellen und hoffentlich im nächsten Jahr KI integrieren, um die Erstellung von Lehrmaterialien durch Lehrkräfte zu unterstützen, wobei die menschliche Aufsicht als Sicherheitsmaßnahme beibehalten wird. Wir möchten, dass die Volt Academy zu einem entscheidenden Faktor für den Kompetenzaufbau von Volt Europa wird, ganz im Sinne unseres politischen Engagements für die Gemeinschaft.
Ich freue mich darauf, Sie Anfang September in Hamburg zu sehen und Ihnen zu zeigen, wie wir diese Ziele in konkrete Ergebnisse umsetzen.
Vielen Dank, Ilario, für die interessanten Einblicke in Volt Europa und die Volt Academy. Wir freuen uns darauf, deinen Vortrag auf der diesjährigen ILIAS-Konferenz zu sehen, und hoffen, in Zukunft noch viele weitere Erfolgsgeschichten rund um ILIAS zu hören!
Und für alle Leser, die sich das Programm der Konferenz noch nicht angesehen haben: Weitere Informationen zu Ilarios Vortrag sowie zu allen anderen Vorträgen findet ihr auf unserer Website.
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