ILIAS-Blog
Kurse anlegen ohne Ballast mit HISinOne-Proxy
Jedes Semester gibt es hunderte, oft tausende Lehrveranstaltungen - je nach Größe der Hochschule. Das sind eine Menge Titel, Gruppen, Räume, Lehrende und Teilnehmende. All diese Informationen liegen in einem Campusmanagementsystem, häufig "HISinOne". Und jedes Semester sollen all diese Daten irgendwie auf die Lernplattform ILIAS übertragen werden. Bitte möglichst automatisch.
Klingt erstmal ganz schön kompliziert. Zum Glück gibt es aber schon seit Jahren genau dafür eine technische Kopplung: Den HISinOne-Proxy.
Marcel Lopin von der Fachhochschule Dortmund hat uns erklärt, was es mit dem HISinOne-Proxy auf sich hat und welche Neuerungen die FH Dortmund zusammen mit ein paar weiteren Hochschulen nun umgesetzt haben.

Vom Vorlesungsverzeichnis zur Lernplattform
HISinOne ist das digitale Pendant zum alten Vorlesungsverzeichnis. Ein zentrales Register aller Lehrveranstaltungen an einer Hochschule. Diese Daten sollen auf die Lernplattform übertragen werden. Kurse und Gruppen sollen automatisiert erstellt werden, ebenso die ILIAS-Konten für die Studierenden und die Lehrenden. Auch die richtigen Rollen und weitere Informationen aus HISinOne sollen übertragen werden, ohne dass dafür Kurse abgetippt oder Mitglieder händisch hinzugefügt werden müssen. Denn das wäre viel zu aufwändig.
Damit das funktioniert braucht es:
- HISinOne, also ein Campusmanagementsystem (CMS), auf dem die Daten liegen
- eine ILIAS-Installation, auf der am Ende alles in Form von Kursen abgebildet werden soll
- einen HISinOne-Proxy
- einen E-Learning-Community-Server (ECS)
Der Proxy ist seit jeher dafür zuständig, sämtliche Daten aus dem CMS herauszukitzeln. Der ECS bereitet die Daten vom Proxy dann so auf, dass sie von ILIAS gelesen werden können. Und in ILIAS werden dann am Ende der Kette via Cron-Job die Kurse generiert.
Das Problem dabei: dieser Prozess lief bisher bei Änderungen an den Daten jedes Mal vollständig durch - selbst bei kleineren Datenanpassungen im laufenden Semester. Das bedeutete viele Aufwand und viel Serverlast. Fünf Hochschulen haben sich zusammengetan, um diese unnötige Datenlast zu reduzieren und den Prozess zu optimieren.

Der Proxy
Ein Proxy ist ein technischer Vermittler. Er nimmt Anfragen entgegen, übersetzt sie und reicht sie weiter. Im konkreten Fall übersetzt der HISinOne-Proxy die Daten aus dem Campusmanagementsystem in ein Format, das andere Systeme verstehen. Denn HISinOne und Lernplattformen wie ILIAS sprechen technisch gesehen unterschiedliche Sprachen. Ein Vermittler wie der Proxy ist also im Grunde nichts anderes als Dolmetscher.
Der ECS
Der E-Learning-Community-Server verbindet Lernplattformen über Institutionsgrenzen hinweg. Er ermöglicht hochschulübergreifende Szenarien, gemeinsam nutzbare Inhalte und Single-Sign-On. So kann sich beispielsweise an der eigenen Institution in ILIAS eingeloggt werden und ganz ohne weiteres Login auf Kurse anderer Institutionen zugegriffen werden.
Weniger Systeme, weniger Arbeit
Beteiligt waren die Fachhochschule Dortmund, die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf, die Fachhochschule Aachen, die Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und die Universität Bonn. Zusammen mit dem Entwickler des Proxies - der Databay AG - wurde konzeptioniert und überarbeitet.
Ziel war es, den Prozess wartungsärmer zu gestalten und zu verschlanken. Und ihn so weniger anfällig für Fehler zu machen.
Da am CMS nichts geändert werden konnte, musste am Proxy angesetzt werden.
Der HISinOne-Proxy wurde so erweitert, dass ILIAS die Daten direkt auslesen kann. Ohne Umweg über einen ECS.
Zusätzlich zieht der Proxy nicht mehr jedes Mal den kompletten Datenbestand. Stattdessen verarbeitet er nur noch die Änderungen seit dem letzten Durchlauf.
Dafür wurde dem Proxy eine eigene Datenhaltung spendiert. Er weiß jetzt, welche Daten bereits bekannt sind und welche neu oder verändert wurden.
Das reduziert Last und vermeidet unnötige Arbeitsschritte.

Eine weitere Neuerung wirkt unscheinbar, spart aber vorallem der Hochschulverwaltung Zeit im Alltag: Kurse in HISinOne erhalten nun Direktlinks zu den passenden Kursen in ILIAS. Der Proxy spielt diese Links direkt ins Campusmanagementsystem zurück. Der Effekt: Ein Klick genügt, um von HISinOne den passenden Kurs in ILIAS zu erreichen. Kein Suchen mehr nötig. Und kein manuelles Navigieren in ILIAS.
Eine Version für alle Fälle
Das Gute ist, dass der Proxy so angepasst wurde, dass er sowohl für das alte Setup als auch für das neue genutzt werden kann. Er arbeitet also sowohl mit als auch ohne ECS. Damit ersetzt eine einheitliche Version zahlreiche individuelle Sonderlösungen. Genau diese Vielfalt hatte den Betrieb zuvor unnötig kompliziert gemacht. Jetzt deckt eine Version alle gängigen Szenarien ab. Das senkt Kosten und vereinfacht die Wartung und Weiterentwicklung.
Offen und kostenfrei
Der angepasste HISinOne-Proxy steht kostenlos auf GitHub zur Verfügung.
Wir bedanken uns bei allen Beteiligten für diese praktische Weiterentwicklung!
Danke auch an Marcel Lopin für seine Zeit, uns in einem Interview alles Wichtige und Interessante zum Proxy zu erklären.